Festhalterecht
Jedermann-Festnahmerecht nach §127 StPO — erlaubt das vorläufige Festhalten einer Person, die auf frischer Tat ertappt wird.
Definition
Das Festhalterecht (Jedermanns-Festnahme) nach §127 Absatz 1 StPO erlaubt jedem Bürger — auch einem Sicherheitsmitarbeiter — eine Person vorläufig festzuhalten, wenn sie auf frischer Tat ertappt wird oder verfolgt wird und ihre Identität nicht sofort feststeht oder Fluchtverdacht besteht. Die Festnahme muss verhältnismäßig sein und endet mit Übergabe an die Polizei.
Das Festhalterecht — rechtlich exakt: das „Jedermanns-Festnahmerecht nach §127 Absatz 1 StPO" — ist eine der am häufigsten missverstandenen Rechtsfiguren in der Sicherheitswelt. Es erlaubt jedem Bürger und damit auch jedem Sicherheitsmitarbeiter, eine Person vorläufig festzuhalten — aber nur unter eng definierten Voraussetzungen.
Voraussetzungen für eine zulässige Festnahme
Alle drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein: Frische Tat oder Verfolgung — die Person muss direkt nach einer Straftat ertappt oder verfolgt werden. Fluchtverdacht oder ungeklärte Identität — entweder droht Flucht oder die Identität ist nicht sofort feststellbar. Verhältnismäßigkeit — die Festnahme muss in einem angemessenen Verhältnis zur Tat stehen; bei Bagatell-Delikten ist erhebliche Gewaltanwendung nicht zulässig.
Klassisches Praxis-Beispiel
Ein Laden-Detektiv beobachtet eine Person, die Ware in die Tasche steckt und ohne Bezahlung das Geschäft verlassen will. Sobald die Person die Kassen-Linie überschritten hat, ist der Diebstahl vollendet — die Festnahme zur Identitäts-Klärung bis zum Eintreffen der Polizei ist zulässig. Wichtig: Das Festhalten muss verhältnismäßig erfolgen und endet, sobald die Polizei vor Ort ist oder die Identität geklärt werden konnte. Mehr dazu im Ratgeber Was darf ein Wachmann?.
Was nicht zulässig ist
Festhalten „weil jemand verdächtig aussieht" ist nicht zulässig — das wäre Freiheitsberaubung nach §239 StGB. Erzwungene Personalien-Aufnahme ist nicht zulässig — niemand muss sich ausweisen gegenüber einer Privatperson. Vernehmungen oder Aussage-Erpressung sind nicht zulässig — der Sicherheitsmitarbeiter ermittelt nicht. Bei seriösen Sicherheitsfirmen wie Custodia Concept wird das Personal genau an dieser Stelle geschult: Deeskalation hat Priorität vor Eingriff.
Weiterführend